Jugendprojekt BIG POINT

Ziel des Projekts ist es, dass jede Teilnehmerin und Teilnehmer einen Ausbildungsplatz bekommt. Dazu werden die Mädchen und Jungen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefördert. Sie bekommen Hilfe bei der Überwindung von Verhaltensproblemen, ihr Selbstwertgefühl sowie ihre Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit werden gesteigert. Auf diesem Weg erlangen die Teilnehmer*innen die Befähigung, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten und verbessern maßgeblich ihre sozialen Kompetenzen. Dies alles, und natürlich die eigene Motivation, sind die Grundvorrausetzung, einen Ausbildungsplatz zu finden und zu behalten.

Das Projekt geht über zwei Jahre. Die Gruppentreffen finden zweimal wöchentlich statt und dauern 3 Stunden. Inhalt der sozialen Gruppenarbeit ist zum Beispiel das gemeinsame Kochen und Essen, die Bewältigung von Problemlöseaufgaben und kooperativen Abenteuerprojekten, Klettern, Kanufahren, Agieren vor der Kamera und vieles andere mehr. Geplant ist zudem eine Wochenendfahrt pro Jahr und eine mehrtägige Abschlussfahrt.

Das Projekt finanziert sich hauptsächlich über Spendengelder und ist für die Teilnehmer kostenlos. Jeder Jugendliche zahlt bei Eintritt in die Gruppe 50 €. Dieses Geld wird auf einem Sparkonto verwahrt und steht symbolisch für die Verbindlichkeit des Jugendlichen im Projekt. Bei Projektende erhält der Teilnehmer das Geld mit Zinsen und dem, was im Projektverlauf noch erarbeitet und angespart wurde, als Startgeld zurück.

Die Projektleiter*in Richard Osterhage (dipl. Sozialarbeiter und Erlebnispädagoge) und Annett Mandelkow (Sozialarbeiterin) haben langjähriger Berufserfahrung in den Bereichen offene Kinder- und Jugendarbeit, soziale Gruppenarbeit und stationäre Kinder- und Jugendhilfe.

Finanziert wurde das Projekt in 2009 von der Hans und Gretchen Tietje-Stiftung, der Michael & Susanne Liebelt-Stiftung, der Friedel und Walter Hoyer Stiftung, Stiftung Jovita Förderverein, der Baus'scheStiftung, dem Inner Wheel Club Hamburg, der Stiftung Globetrotter Ausrüstung und dem Jugendamt Altona.

Für einen bewegender Eindruck gibt es hier einen knapp vierminütigen Film:
www.youtube.com/watch?v=hQslwhHKQPc

 

 

Die Initiative Dreck Attack

Die Jugendlichen von BIG POINT haben eigenständig die Initiative Dreck Attack ins Leben gerufen und damit viel Aufsehen in den Medien hervorgerufen. Unter dem Motto „Statt Müll machen, mitmachen!" gehen sie im Stadtteil mit gutem Beispiel voran und sammeln immer dienstagnachmittags für vier Stunden Müll auf. Die Jugendlichen rufen alle BewohnerInnen dazu auf, bei ihrer Initiative mitzumachen. Die Initiative Dreck Attack wird unterstützt von der Stadtreinigung Hamburg.

Ein Jahr "Dreck Attack"

Als die Reporterin vom Abendblatt im Dezember 2007 fragte “Und was passiert mit „Dreck Attack“, wenn ihr im August alle einen Ausbildungsplatz habt?“ antworteten die Jungs: „Wir werden es mindestens ein Jahr lang machen, dann sehen wir weiter“.

Nun ist es soweit, das Jugendprojekt „Big Point“ hat sich Ende 2008 für ihre Initiative „Dreck Attack“ das letzte Mal zum Müll sammeln auf St. Pauli getroffen. Als große Abschlussaktion wollten sich die Jungs bei unserem Kooperationspartner, der Ganztagsschule St. Pauli, für die gute Zusammenarbeit bedanken und sammelten einen Nachmittag lang den Müll auf dem Schulhof weg. Schulleiter Gerald Pump-Berthe und Schulsozialarbeiter Axel Wiest empfingen die Jugendlichen mit Cola und frischen Brezeln. Der Hausmeister stellte seinen Trecker mit der Reinigungsbürste zur Verfügung und so konnte „Dreck Attack“ auch den Fußballplatz saubermachen.

Ein ganzes Jahr lang haben sieben Jugendliche freiwillig auf St. Pauli Müll gesammelt. Die Idee stammt von den Jugendlichen selber, die ihren Stadtteil zu dreckig fanden und dagegen etwas unternehmen wollten. Von da an trafen sie sich einmal in der Woche, um drei Stunden lang mit Greifzangen, Besen, Schaufeln und Müllsäcken bewaffnet sauber zu machen.

„Die Aktion ist eher symbolisch zu verstehen. Den Jungs war klar, dass sie es mit einmal sammeln pro Woche nicht schaffen würden, den vielen Müll auf St. Pauli wegzuschaffen. Es ging vielmehr darum, ein Zeichen zu setzen. „Dreck Attack“ hat die Geschäftsleute und Bewohner aufgefordert aktiv dazu beizutragen ihr eigenes Viertel sauber zu halten,“ sagt Richard Krauß (Sozialarbeiter und Leiter des Jugendprojekts Big Point). Doch auch wenn alle im Viertel sehr positiv auf die Jugendlichen in ihren gelben Warnwesten reagierten, so hat sich doch niemand bereit erklärt sich aktiv zu beteiligen. Ömer berichtet: „Geld wurde uns öfter angeboten, aber was sollen wir mit Geld. Wir haben ja zum Sammeln alles was wir brauchen. Nur sind wir zu wenig Leute, um den ganzen Müll alleine wegzuschaffen.“

Özgür sagt: „Wir haben uns schon mehr Unterstützung erhofft, aber die Leute haben einfach keine Zeit oder keine Lust. Und wir sind ja nicht alleine dafür zuständig St. Pauli sauber zu halten.“

Inzwischen haben alle Jugendlichen einen Ausbildungs- oder Berufsschulplatz und haben keine Zeit mehr sich wöchentlich zum Sammeln zu treffen. „Es war zwar anstrengend aber es hat auch viel Spaß gemacht sich nützlich zu machen. Das Jahr ist schnell vergangen und es ist eigentlich schade, dass „Dreck Attack“ jetzt vorbei ist,“ sagt Timo, einer der beiden Teamleiter.

Für die Jungs war es jedenfalls insgesamt eine positive Erfahrung. Sie haben für die Gesellschaft etwas Sinnvolles auf die Beine gestellt und bis zum Schluss durchgezogen. Daran werden sie denken, wenn es in Zukunft darum geht sich für ihre eigenen Ziele und für andere Menschen einzusetzen.